Was für ein Jahr!
Eine Zeit, die viele Menschen zum Nachdenken, zu einem bewussteren Hinsehen und zu einem bewussteren Umgang mit unserer Umwelt und Natur angeregt hat. Aber dennoch haben auch viele Menschen schnell wieder vergessen, verdrängt und mit alten Gewohnheiten weitergemacht.

Das Jahr begann mit bewegenden Momenten! So hatte ich selber noch am 31.12.2019 an der Freien Schule beim Befüllen unserer Vogelfutterstationen einen schlimmen Unfall und verbrachte den Start ins neue Jahr im St.Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg. Schon vor Corona wurde ich ruhig gestellt und habe über viel Dinge nachgedacht. Da ich fast zwei Wochen ans Bett gefesselt war und mich nicht bewegen durfte, habe ich mich voller Elan in die Finanzierung (Spendenanträge, Nachweise etc.) der Freien Schule gestürzt und war dankbar für diese Abwechslung und Beschäftigung in dieser misslichen Lage.

Ende Januar kamen dann durch unsere Kooperation mit AISEC (Uni Bochum) erste Studenten aus Brasilien, Indonesien und der Ukraine. Die jungen Menschen hatten die Aufgabe nach einer Kennenlernphase, soziale Projekte mit unseren Besuchern zu überlegen und durchzuführen. Es war spannend zu erleben, wie trotz der Sprachbarriere eine Ebene der Interkulturalität entstand. Mit Mimik, Gesten, Händen und Medien verständigten sich Kinder, Jugendliche, Betreuer und Studenten miteinander. Zusätzlich gab es Gespräche auf Englisch und auch unsere Grundschüler haben in dieser Zeit viele Wörter der englischen Sprache erlernt. In diesen 6 Wochen gab es sehr intensive, liebevolle Momente zwischen den Kindern und den Studenten! Eigentlich wären dann schon vor den Sommerferien und auch im Herbst noch Studentengruppen zur Unterstützung in die Einrichtung gekommen……..doch dann kam der Lockdown und unsere Studentin aus Brasilien schaffte es noch, 2 Tage vorab, den Rückflug in ihre Heimat zu organisieren, wo sie dann aber noch zwei Wochen in Quarantäne verbringen musste.

Auf die Schnelle überlegten wir im Team, wie wir gerade unsere Besucher in dieser Zeit unterstützen können. Denn schon in „normalen“ Zeiten ist für viele Kinder die Grundversorgung im Haushalt, die Zuneigung oder die Unterstützung und Hilfe bei schulischen Angelegenheiten nicht gewährleistet. Durch unseren Medienbeauftragten wurde schon in den nächsten Tagen mit Medienangeboten (Livestream, Online..etc.) gestartet. Hier gab es täglich Angebote im Bereich Bewegung, Basteln, Backen, Kochen, Spiel, Lese- und Rätselaufgaben. Zusätzlich konnten Eltern oder Kinder über die Ausgabe am Fenster wöchentlich Angebots- und Überraschungstüten abholen, die prall gefüllt waren. (kleine Spiele, Bastel- oder Backmaterialien mit Anleitung, Überraschungen).
Immer wieder wurden auch Tüten mit Lebensmitteln und leichten Kochrezepten oder warme Mahlzeiten ausgeteilt. Die Tüten wurden sehr gut angenommen, auch von Familien/ Kindern, die unsere Einrichtung nicht besuchen, aber froh über dieses Angebot (per Facebook, Presse oder Mundpropaganda) waren. Es gab ein Kummertelefon, wo sich Eltern oder Kinder bei Problemen, Sorgen und Nöten mit uns in Verbindung setzen konnten. Hier erreichten uns so manch traurige Anrufe! Über Facetime oder Skype hatten wir Kontakt mit einigen Kindern zur Lernförderung oder Schulaufgabenhilfe. Davon wurde jedoch wenig Gebrauch gemacht.

Nach strengen Hygienevorgaben und vielen kostspieligen Ausgaben für Desinfektionsmittel, Absperrbänder, Spuckschutzwänden etc. öffneten wir am 18.05.2020 wieder unser Haus. Zunächst nur für eine Gruppe von 15 Kindern. Dabei wählten wir die Kinder, für die wir einen besonderen Lernförderbedarf sahen. Obwohl 90% unserer festen Besucher im Übermittag die Hausaufgaben der Schule nur ansatzweise oder gar nicht erledigt hatten, konnten wir nur diese kleine Gruppe auswählen. Wir erlebten so dankbare Kinder, die sich über das warme Essen, die sozialen Kontakte, den Zuspruch, die Abwechslung und sogar auf das Lernen freuten.
In den Sommerferien konnten wir sogar unsere geplanten Projektwochen: „Wasserwelten – Kinder lernen schwimmen und haben Spaß“ …. Mit vielen Ausflügen und Aktionen (auch mit einer kleineren Gruppe als geplant) durchführen. Zu Beginn des neuen Schuljahres hatten wir unsere Räumlichkeiten dann so eingerichtet, dass wir unsere regelmäßigen Besucher in 6 Gruppen (a 5-6 Kinder oder Jugendliche) in verschiedenen Räumen mit je 2-3 Betreuern (Pädagogen, Studenten, Oberstufenschüler) bei den Schulaufgaben, bei vielen Rückständen oder abhanden gekommenem Wissen unterstützen und fördern können.

Seit Mai haben wir zusätzliche Kräfte eingesetzt, um unsere Jungen und Mädchen wieder an Bildung und kulturelle Teilhabe heranzubringen. Viele, viele von Ihnen haben während des Lockdown und auch noch danach bis zu den Sommerferien keinen oder kaum schulischen Lernstoff bearbeitet. Die Eltern sind aus verschieden Gründen überfordert ihre Kinder dazu anzuhalten. Auch das Lesen oder bestimmte Rituale fanden und finden nicht statt.

Interessante Angebote für Projektwochen in den Oktoberferien stehen! Wir haben noch viel zu tun, um unsere Besucher aus bildungsfernen Familien wieder nach vorne zu bringen. Noch finden im Haus regelmäßig die Übermittagbetreuung mit 30 Kindern in 5 verschiedenen Räumen und 3 feste Gruppenangebote mit max. 10 Personen statt, wie es uns noch erlaubt ist. Leider dürfen zurzeit keine Bewegungsangebote, die gerade für Kinder besonders wichtig sind, stattfinden. Dennoch geht es nach dem Lernen regelmäßig ins Außengelände. Jede Gruppe sucht sich einen Bereich, um nicht mit den anderen Gruppen aufeinandertreffen. Die Betreuer sorgen auch dafür, dass die Kinder untereinander Abstand einhalten. Dazu lassen sie sich tolle Spiele einfallen, um ein wenig Abwechslung in den Alltag zu bringen.


Wir werden sehen, wie sich die Situation rund um Corona entwickelt

Ihre Martina Morzonek-Kolberg